Winterfahrt im Hohen Venn 2003

Endlich ! Nach viel zu langer Zeit und nach etlichen misslichen Umständen, die eine Fahrt seit langem verhindert haben, kann die Fahrtenschaft Polaris wieder los mitten im tiefsten Winter ins Hohe Venn. Es soll nichts Großes werden, zumal wir diesmal nur mit halber Mannschaft unterwegs sein können. Aber wir sind glücklich, endlich mal wieder die heimischen Gefilde zu verlassen und einen kleinen Abstecher mit der Kohte zu machen.

Zu unserer freudigen Überraschung liegt im Hohen Venn teilweise noch Schnee. Als Startpunkt unserer kleinen Wanderung haben wir uns die Botrange, Belgiens höchsten Punkt auf knapp unter 700 m herausgesucht. Als Fahrtenpunkt hat die Botrange bei uns fast legendären Stellenwert. Ramses war zusammen mit seinem Jungpfadfindertrupp bereits im Sommer des Jahres 1986 hier während eines Hajks vorbeigekommen. Das erzählt er uns auch jedesmal gerne, wenn wir nach langer Zeit mal wieder vorbeischauen. Im Schnee kennen wir die Botrange und das Venn noch nicht. Im Sommer, Frühjahr und Herbst waren wir schon da und sind natürlich jetzt gespannt darauf, was die Natur uns bei klirrender Kälte bieten wird.

Voll bepackt marschieren wir los. Eine Winterübernachtung macht leider die Mitnahme von einigen zusätzlichen Ausrüstungsgegenständen wie z.B. einen dicken Pullover, einen dickeren Schlafsack usw. notwendig. Unter uns hören wir das Knirschen des Schnees und um uns herum wabert eine dichte, tiefe Wolkendecke - Nebel. Gespenstisch liegt das Moor da, erst als wir in tiefere Lagen kommen, nimmt der Schnee und damit der Nebel ab. Doch trotzdem verliert das Hochmoor nichts von seiner unheimlichen Atmosphäre. War ich doch den Tag zuvor mit der Schule im, ebenfalls an der Botrange gelegenden, Moormuseum und hatte dort einiges über die grausigen Funde von Moorleichen aus früheren Tagen erfahren.

Zunächst geht es an den Grenzen des Wallonischen Venns entlang. Leider dürfen wir diesen Teil nicht betreten, er unterliegt als Schutzabschnitt C strengen Naturschutzrichtlinien und ist für normale Wanderer tabu. So liegt das Venn in seinem Winterkleid vor uns, wunderschön und verlockend, doch auch gänsehautauslösend, wenn wir an seine grausame Vergangenheit denken.

Wunderlich ist dann auch eine plötzliche Begegnung mit Babsi, einer alten Pfadfinderfreundin aus unserem ehemaligen Stamm Romero, die uns zusammen mit Gerald mitten im Nichts unerwartet aus dem Nebel entgegen kommt. Seltsam wie klein die Welt doch ist und wie das Leben doch aus Zufällen besteht. Auf dem weiteren Weg treffen wir zwar noch ein paar Leute, aber sonst läßt man uns alleine, und so bietet das Venn eine wunderbare Vorstellung nur für uns alleine.

Gegen Dämmerung finden wir einen Lagerplatz in einem Nadelwald. Die Kohte aufgebaut und eingerichtet ist schnell passiert, trotzdem die Kälte unsere Bewegungen langsamer werden lässt. Dann geht es ans Feuer machen. Das fällt uns ein wenig schwer, haben wir doch weit und breit nur Nadelholz, dass wegen der Schneeschmelze der vergangenen Tage durch und durch nass ist. Doch letztendlich kommen wir doch zu unseren warmen Würstchen und dem heißen Tee, wenn auch auf Umwegen. Die Nacht, sprich der Schlaf kommt für uns sehr schnell. Für ramses hingegen soll er ebenso schnell wieder ein Ende finden, er muss sich daheim wohl eine Magen und Darmgippe geholt haben. Selten hat man gesehen, dass es ihm so übel geht. Selbst in Grönland als uns ein mysteriöses Risotto den Magen verdreht hat, kam es mir noch nie so vor.

Nach der eiskalten Nacht mit Temperaturen von -2 °C und einem starken Wind, dauert es am nächsten Morgen relativ lange, bis wir so fit sind, zusamenpacken zu können. Alles dauert länger, die Bewegungen sind schwerfälliger. Kröte muß in seine noch immer feuchte Hose steigen. Brrr... . Glücklicherweise ist es dann zurück zum Auto nur noch ein Katzensprung. Durch die verschneite Landschaft geht es zurück ins Siebengebirge wo unsere kleine aber feine Fahrt zu Ende geht.

Text: sammler
Fotos: sammler und ramses, fahrtenschaft polaris, Januar 2003


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