Der Hintergrund


Vor 70 Jahren, im Sommer 1929, machte sich eine Gruppe der Deutschen Freischar unter der Leitung von tusk (Eberhard Köbel) auf, um die Einsamkeit Lapplands zu entdecken. Ihre aufregenden Erlebnisse und Abenteuer hielten sie im sog. Fahrtbericht 29 fest, den tusk nach Beendigung der Fahrt veröffentlichte.

Die Großfahrt der damaligen Horte war sehr hart und kräftezehrend. Zuwenig zu essen, schlechtes Wetter, schwierige Wegstrecken, die zu bewältigen waren. Ihre ursprüngliche Route mußte mehrfach geändert werden. Trotz dieser Entbehrungen war diese Fahrt für jeden Teilnehmer etwas ganz Besonderes, lebten sie doch für lange Zeit frei in der Wildnis der lappischen Tundra und bei gastfreundlichen Samenfamilien.

68 Jahre nach dieser, in bündischen Kreisen schon legendär gewordenen Fahrt, fiel uns der Fahrtbericht 29 in die Hände. Gelesen war er schnell. Schon nach der ersten Lektüre war der Gedanke an eine ähnliche Fahrt in unseren Köpfen geboren. Zunächst noch ein Hirngespinst, entpuppte sich der Gedanke bald als konkrete Idee für eine Großfahrt einer Fahrtengruppe unseres Stammes Romero im Jahr 1999. 70 Jahre später sollte uns der damalige Fahrtbericht als Kompaß für unsere Unternehmung dienen. Wir wollten versuchen, die Route nachzuwandern und uns auf dieselbe Landschaft und dieselben Wagnisse und Bedingungen einzulassen.


Die Vorbereitung

In der Folge mußten von uns einige logistische und organisatorische Probleme bewältigt werden. Wie kommen wir nach Lappland? Wo gibt es vernünftiges Kartenmaterial? Welche Strecke hat damals tusk genommen? Welches Material nehmen wir mit? Was wird in der Wildmark gegessen? Und vor allem, wie soll das Alles transportiert werden? Wer kann mitgenommen werden? Was kostet das Alles überhaupt?

Am leichtesten zu lösen war sicherlich die Anfahrt: Dank eines günstigen Spezialtarifs der skandinavischen Bahnen war es uns möglich, das Fahrtengebiet innerhalb von 48 h zu erreichen. Und mit schwedischem Kartenmaterial, bezogen in Köln bei Gleumes, war es uns auch möglich, zumindest in Ansätzen, die tusk´sche Route nachzuvollziehen.

Die Materialfrage war schon schwieriger zu lösen, speziell das Thema Zelt. Sollten wir mit modernen, sturmstabilen High-Tech Kuppelzelten nach Lappland? Oder doch lieber unsere traditionelle, aber schwere Kohte mitnehmen? Bräuchten wir eventuell hiervon gleich zwei Stück? Nach einigem Hin- und Herüberlegen und einigen Probeläufen entschieden wir uns, mittlerweile von acht Teilnehmern ausgehend, für die zweite Variante. Allerdings wurde sie von uns modifiziert. Aus der Kohte wurde unsere Juschke, indem wir zu den üblichen vier Kohtenbahnen noch eine fünfte hinzufügten. Ein von uns in Spezialanfertigung hergestellter fünfstrahliger Stern, löste, zusammen mit einem zweiteiligen Teleskopgestänge das Problem, die Juschke in der oft baumlosen Tundra aufzustellen. Statt schwerer Bodenplanen nutzten wir unsere Regenponchos einfach auch für diesen Zweck mit. Um weiteres Gewicht zu sparen, begnügten wir acht uns während der Fahrt mit nur zwei Trangia-Spirituskochern und aßen in Schichten. Es sollte hervorragend klappen.

Auch das Lebensmittelproblem bereitete uns zunächst Kopfzerbrechen. Denn es mußte ein Kompromiß gefunden werden zwischen Nährwert, Gewicht, Volumen und Sättigungseffekt und wir waren nicht in der vorteilhaften Lage, wie unsere Vorgänger vor 70 Jahren auf die Hilfe der samischen Bevölkerung zurückgreifen zu können. Am Ende hatten wir Vollverpflegung für 16 Tage dabei, die pro Person 8 kg wog und sich wie folgt zusammensetzte: Morgens gab es pulverförmigen Babybrei in verschiedenen Geschmacksrichtungen, der nur noch mit Wasser anzurühren war. Mittags, zwischen zwei Wandereinheiten, eine Suppe, auch hier mit Variationen. Abends wechselten sich verschiedene Treckingmahlzeiten und immer wieder auch Naturreis und Soße ab. Zusätzlich standen jedem Teilnehmer pro Tag ein Energieriegel, eine Multivitamintablette und je eine halbe Calcium- und Magnesiumtablette zur Verfügung. Durch diese und andere Maßnahmen war es uns möglich, das Gesamtgewicht der Rucksäcke auf durchschnittlich 22 kg zu drücken.

Unsere Mannschaft setzte sich zusammen aus Mitgliedern des Jungpfadfindertrupps Panther und des Pfadfindertrupps Apollo 13:

Jüngster Teilnehmer: professor, Johannes Geismann, 13, Apollo 13

Optimistischster Teilnehmer: trainer, Philipp Scherer, 14, Panther

Diskussionsfreudigster Teilnehmer: Frédéric Muller, 15, Apollo 13

Kreativster Teilnehmer: klümpchen, Michael Hauser, 16, Apollo 13

(Foto)verrücktester Teilnehmer: Frederik Euskirchen, 16, Apollo 13

Hungrigster Teilnehmer: gulo, Kai Boßek, 16, Apollo 13


Erster Teilnehmer in Norwegen: elchi, Sascha Brengmann, 21, Panther, links
Bärtigster Teilnehmer: ramses, Kai Krauthausen, 27, Apollo 13, rechts.



Bei der Auswahl der Teilnehmer spielten verschiedene Gesichtspunkte eine Rolle. Grundsätzlich sollten zunächst nur Pfadfinder und Rover eine Teilnahmechance erhalten. Nachdem sich unsere Rover jedoch einem anderen Sommerfahrtprojekt zugewandt hatten, öffneten wir die Altersgrenze auch für jüngere Teilnehmer. Diese jedoch mußten zweifelsfrei auch den physischen und psychischen Anforderungen einer solchen Wildnisfahrt genügen können. Und sie taten es, manchmal besser als die Alten!

In einer ersten groben Rechnung waren wir vor der Fahrt von Kosten pro Person von ca. 1000 DM für die dreiwöchige Unternehmung ausgegangen. Letztendlich blieben wir auch innerhalb dieses Rahmens, konnten sogar noch günstiger werden, so daß jeder Teilnehmer nur auf 800 DM Beitrag kam. Für unsere sonstigen Stammesunternehmungen ist dieser Betrag sehr hoch, für die durchgeführte Fahrt allerdings angemessen. 550 DM hätten wir zusätzlich noch einsparen können, wären wir, anstatt mit der Bahn anzureisen, ins Fahrtengebiet getrampt. Diese Variante hätte aber zeitlich und kulturell nicht in unseren Rahmen gepaßt, hatte doch damals die tusk´sche Horde auch per Bahn und Schiff Lappland erreicht.

Viel Spaß beim Durchstöbern unseres virtuellen Fahrtenberichtes wünscht die Fahrtengruppe Romero!

Der erste Fahrtabschnitt: Durch das Tarradalen

Zurück zur Lappland-Startseite