Der erste Fahrtabschnitt: Durch das Tarradalen


Samstag, der 19. 6. 1999
Kvikkjokk, der Ort, den tusk vor 70 Jahren so liebenswert beschrieben hat. Das Ende der Fahrstraße, also auch gleichzeitig das Ende der Welt. Unser Ausgangspunkt, um die Wanderung der alten Großfahrtengruppe nachzuvollziehen.

Kvikkjokk ist ein kleines Dorf aus vielen einzelnen, scheinbar nicht immer zusammengehörigen Häusern. Häusern aus Holz, schwedisch gelb, grün oder dunkelrot angestrichen. Darunter ein kleiner, aber teurer Supermarkt, der exquisit nur sehr wenige, ausgewählte Angebote für den hungrigen Kunden bereithält. Größere Einkäufe sollte man deshalb besser in Jokkmokk erledigen. Außerdem gibt es eine Telefonzelle und natürlich immer noch die sehenswerte, einfache, kleine Holzkirche mit dem angrenzenden Friedhof. Über dem ganzen Ort hängt aus der Ferne drohend das Rauschen eines großen Wasserfalls des Kamajåkkå, der sich hier unterhalb Kvikkjokks in die ruhigen Fluten des Tarraätno (Tarra) ergießt . Hier hört die Zivilisation auf und unser großes Wagnis kann beginnen, so scheint die Botschaft des steten akustischen Signals zu lauten. Morgen früh werden wir diese Grenze per Boot überfahren. Am anderen Ufer wartet dann der Padjelantaleden auf uns. Der Pfad, dem wir zunächst bis nach Staloluokta der einsamen Samensommersiedlung am Virihaure folgen werden.

Sonntag, der 20. 6. 1999
Wandertag! Nicht besonders verheißungsvoll erscheint uns heute Morgen beim Aufstehen der Anblick der uns umgebenden lappischen Bergwelt. Die Gipfel der Berge verschwinden im Dunstschleier der Wolken und nur hier und dort schimmern wenige Schneefelder durch den Hochnebel. Bereits gegen 3 Uhr in der Nacht hatte es angefangen zu regnen. Das einzig positive am Wetter: Die Temperaturen sind extrem wanderfreundlich. Zum Frühstück zum ersten Mal Babybrei aus unseren Vorräten. Der Sättigungsgrad ist überraschend gut. Nach dem Packen verlassen wir Kvikkjokk und ziehen ans Ufer des Tarra zum Bootsanleger.

Nicht viele Worte macht unser Fährmann, als wir alle mitsamt Gepäck im Boot Tarraaufwärts fahren. Gestern hatten wir uns mit ihm über unsere Passage abgesprochen, einen Preis und eine Zeit ausgemacht, um über den Kamajåkkå, über den keine Brücke führt, zu setzen. Zunächst vorbei an den Stromschnellen dessen Rauschen wir schon gestern stets gehört hatten. Danach fließt der Fluß träge und langsam durch das dichtbewaldete Deltagebiet. Wir freuen uns. Endlich geht es richtig los. Keine Planung mehr, keine Vorbereitung. Endlich Fahrt!

Und dann stehen wir endgültig am letzten Außenposten der Zivilisation und am Beginn des Abenteuers: der Bootsanleger. Nach kurzen Farewell wandern wir los. Auf den ersten Kilometern des Padjelantas lernten wir dann endlich auch Lapplands Fluch, die gemeine Stechmücke, in Scharen kennen. Bislang waren wir von ihr mehr oder weniger verschont geblieben. Eine unschöne Begegnung. Das in Stockholm gekaufte Mückenmittel zeigt aber Wirkung. Wieder ein Plus in unserer Ausrüstung.

Im Deltagebiet, dessen Ausläufer wir zunächst noch durchqueren, ist der Wald sehr dicht bestanden und dadurch relativ dunkel. Ohne Weitsicht, beschränkt auf den Weg gehen zu müssen ist eine unbekannte Situation. Die Orientierung geht so verloren. Durch Richtungsänderungen kommt man sich nach kurzer Zeit vor, wie in einem leicht überdimensionierten Labyrinth. Lange Zeit hier durch zu gehen ist sicher bedrückend. Zum Glück ändert sich die Landschaft bald. Zwar bleibt der Wald dicht, doch wird es leicht hügelig und Wald wechselt sich immer wieder mit Sümpfen ab. Die Ausblicke auf den Tarra und die umgebende Landschaft sind wunderbar, wäre das Wetter doch nur besser.

Ohne Pausen stürmen wir voran, gehen Kai und Frédéric doch ihren eigenen, sehr schnellen Schritt, vergessen dabei aber auch, stehen zu bleiben und auf den Rest zu warten. Da wir nicht wissen, was mit ihnen ist, müssen wir zwangsläufig weiter. Flüche vor- und einprogrammiert. Endlich haben wir sie dann wieder: zum Glück haben sie schon Feuer gemacht, das mildert unseren Zorn.

Am Ufer des kleinen Råvejåkkå kochen wir dann zu Mittag. Gerade als wir damit beginnen, setzt Regen ein. Zunächst langsam, später beim Spülen schon heftiger. Einer nach dem anderen zieht seinen Poncho über.

Dann eine Überraschung. Drei finnische Pfadfinder aus Helsinki überholen uns an unserem Lagerplatz. Nach kurzem „Hej" und Austausch ziehen sie weiter. Wir marschieren in Regenzeug hinterher. Wir sollten sie hier nicht das letzte Mal getroffen haben.

Das Ärgerliche an einem solchen Marsch ist weniger die Tatsache, daß man von außen vom Regen und von innen vom Schweiß naß wird. Viel mehr ist es gar nicht schön kaum etwas zu sehen. Von der Landschaft schon gar nichts und vom Weg gerade mal die Füße des Vordermanns.

In Njunjes, einer Hüttenansiedlung rasten wir bei strömendem Regen in der verfallenen von vier dort stehenden Behausungen: das Dach ist offen, überall wachsen Moos und Pflanzen aus dem Boden, es tropft vom faulendem Holz der Wände. Einzig der schön gemauerte Kamin ist noch erhalten. An der Wand als Tapetenersatz eine Zeitung von 1917.

Weiter geht es, obwohl bei allen schon die Kräfte weichen, durch den Regen, der nicht stark, aber gleichmäßig und stetig auf uns herabprasselt. Wir wollen heute noch bis nach Njunjesstugan gehen. Hier angekommen müssen wir uns so nach und nach aus einem Tiefpunkt wieder aufrappeln: viele Sachen sind naß. Abhilfe schafft eine Einladung der Finnen in das Wanderheim, in dem für satte 35 °C ein Bollerofen sorgt, auf dem eine schwedische Zweiergruppe getrocknetes Rentierfleisch brät, von dem die Teilnehmer unserer Fahrtengruppe auch probieren dürfen. Die Hütte steht direkt am Ufer des Tarra, der hier rauschend und brodelnd mit ungeheurer Wucht über einiger Stromschnellen dahinschießt. Direkt über diesem Inferno ist eine Brücke über den Fluß angelegt worden. Zum Glück finde ich auf der anderen Seite einen guten und noch nicht allzu nassen Kohtenplatz. Die Finnen sind ganz begeistert von Juschke und Juja und lassen sich alles genau erklären. Sie wandern dann noch weiter. Wir wollen über Nacht bleiben und können nach einiger Zeit in ein von innen trockenes Zelt einziehen. Auch unsere Klamotten sind dank der Wärme in der Hütte wieder getrocknet, so daß die abendliche Bilanz dieses Tages uns durchaus wieder frohgemut stimmen läßt. Das folgende Elfchen faßt die Entwicklung des Tages kurz zusammen:

Grau,
Der Himmel
Öffnet seine Schleusen.
Ich bitte um Nachsicht.
Gewährt.

Montag, der 21. 6. 1999
Spätabends. Endlich haben wir es geschafft. Der Schlafsack wärmt während des Logbuch Schreibens. Unsere Situation könnte besser sein, aber auch durchaus schlechter. Zusammen mit den drei finnischen Pfadfindern sind wir in den Holzschuppen der Tarrekaisen-Fjellstation geflüchtet. Vor dem Regen, der nun schon seit dem Nachmittag ununterbrochen auf uns einprasselt. In der Hütte ist es kühl und riecht ziemlich modrig nach einer Mischung aus Schweiß, zu lange getragenen, feuchten Schuhen und altem Holz. Durch das einzige Fenster fällt nur spärlich das Licht der Polarnacht ein. Die Finnen haben, zum Schutz vor Moskitos, hier drinnen ihr Innenzelt aufgebaut und sind gerade damit zugange, noch zu kochen. Die Platzverhältnisse sind stark beengt, reichen aber gerade so aus.

An ein Aufstellen der Juschke war heute beim besten Willen nicht zu denken, außer, wenn man dafür in Kauf genommen hätte, sehr, sehr naß zu werden. So sind wir immerhin mitsamt unserem Gepäck trocken und leidlich warm. Doch, von Anfang an.

Gegen Morgen wurde das Wetter in Njunjesstugan stetig besser. Wir freuten uns, genossen blaue Fetzen und sogar ein wenig Sonne am Himmel. Die Stimmung dementsprechend. Gegen Mittag dann Aufbruch, mit dem Ziel bis kurz vor die Station Såmmarlappastugan zu wandern. Direkt von Beginn der heutigen Etappe war uns das Gelände jedoch quer. Wir mußten gut 140 Höhenmeter steigen, dabei ging der Padjelantaleden kreuz und quer über Stock und Stein. Für alle Beteiligten sehr sehr schweres Terrain.

Dafür konnten wir dann hoch über dem Tarra und dem Njåmiltkårtje einen umwerfenden Ausblick auf das hinter und vor uns gelegene Tal genießen: Das Gebirgspanorama ist einmalig schön. Tief unten der Fluß, der über etliche Stromschnellen stürzend zu Tal rauscht. Auch wir hier oben hören das Donnern noch. Dann das breite Tal, ausgefüllt mit Lappenhochwald: Birke und Fichte. Darüber, wo wir uns jetzt befinden Fjell: Felsen, Sümpfe mit Sumpfgras und Wollgras und wenigen, kleingewachsenen Büschen und Krüppelbäumchen. Abschießend die Flanken der Berge, steil aufragend, mit kleinen und größeren Wasserfällen und etlichen Schneefeldern durchsetzt. Auch wir haben gerade unser erstes Schneefeld dieser Fahrt queren müssen. Es sollten noch etliche, auch viel größere folgen.

Weiter führt der Pfad, zunächst abwärts, wieder zurück zum Tarra, der sich hier zu einem See, dem Tarraure, verbreitert. An dessen Ufern ziehen wir nun durch lichten Birkenhochwald. Allerdings, die schwere Begehbarkeit des Pfades hält an und wir kommen kaum voran. Etwa 2 km in der Stunde schaffen wir in dieser schwierigen Situation. Das schlägt uns allen sehr auf die Stimmung. Endlich, der Nachmittag hat schon längst begonnen, treffen wir auf das Zwischenziel unserer Etappe: Tarrekaisestugan. Mittagessen. Und hier fängt das Übel an. Kaum haben die Finnen, die wir hier wiedertreffen, die Hütte verlassen und sind zu einer Tagestour auf den Tarrekaise aufgebrochen, kaum sind die Tomatensuppen fertig gekocht, setzt der bis jetzt am Abend stetig andauernde Regen ein. Wir flüchten uns mitsamt Gepäck in den engen Vorraum der Hütte. Weiter wollen wir nicht, haben wir doch in der Njunjeshütte die Preise gelesen. Unverschämte Ausbeuterei! Selbst für die Benutzung des Vorraumes, geschweige denn für unser jetziges Nachtlager müßten wir eigentlich Unsummen bezahlen. Zum Glück ist kein Hüttenwart da und wie das Zahlen unter diesen Umständen funktioniert wissen wir nicht. Dann beginnt das große Warten. Wir warten auf besseres Wetter, auf ein Ende des Regens und auf die nächste Mahlzeit. Tatsächlich müssen wir auch diese in der drangvollen Enge einnehmen. Nach nicht allzu langer Zeit kommen die Finnen triefend naß wieder. Ihre Tageswanderung mußten sie kurzerhand abbrechen. Eine richtige Entscheidung, finden wir und ziehen zusammen in den angrenzenden Holzschuppen um, um hier die Nacht zu verbringen.

Weiß,
Das Schneefeld
Glänzt ganz majestätisch.
Ich spüre seine Einsamkeit.
Lappland!

Dienstag, der 22. 6. 1999
Heute lacht uns das Fahrtenglück! Doch der Reihe nach. Aufstehen um 8 Uhr, danach, bei aufreißender Bewölkung ein Versuch mit der Angel am mückenverseuchten Ufer des Tarraure. Hier unten steht auch eine Erdkotta. Die weichenden Wolken geben die Sicht auf die beeindruckende uns umgebende Bergwelt frei. Mit den Finnen packen wir, frühstücken und singen ihnen noch ein paar unserer Lieder vor, unter anderem das finnische Tanzlied „Warum zögerst Du noch".

Dann laufen wir los und kommen auf dem Pfad gut und schnell voran. Immer wieder sonnige Abschnitte. Nach einer Stunde halten wir zum ersten Mal. Kaum gehen wir weiter, müssen wir erneut halten, um einen 15 bis 20 Meter breiten Fluß zu furten. Kalte Füße. Alles bleibt trocken. Nur Zeit verlieren wir. Weiter führt der Weg durch Sümpfe. Immer wieder werden unsere Schuhe naß, zum Glück bleiben bei den meisten die Füße trocken. Weiter kommen wir gut und schnell voran. Trotzdem bleibt die Wanderung für alle hart. Etwas oberhalb von Måskatjkuoika rasten wir an einem kleinen, kreisrunden See zu Mittag. Hier ist das Gelände nicht mehr sumpfig, sondern freier. Trotzdem sind viele Mücken da. Zwei Möwen ziehen hier, weitab vom Meer ihre Kreise.

Auch nach dem Mittag geht es gut weiter. In einem dichten Birkenwäldchen passiert es dann. Keine 15 Meter vor uns steht eine Elchkuh mitsamt ihrem männlichen Jungtier vom letzten Jahr. Während das Jungtier zunächst ein paar Meter in den Wald flüchtet, bleibt die Kuh ganz ruhig, wittert kurz und widmet sich danach wieder dem Äsen junger Birkentriebe. So ist es uns sogar möglich, die Fotoapparate auszupacken und Elchfotos zu schießen. Auf dem Pfad kann ich mich der über 2 m großen Kuh bis auf unter 10 Meter nähern. Nach einiger Zeit läßt sich dann auch das Junge wieder blicken, das auch schon mannshoch ist. Sehr neugierig kommt es auf uns sogar noch zu. Erst nachdem beide Tiere vom Pfad herunter sind, gehen wir vorsichtig weiter und werden, zu unserem Erstaunen, doch tatsächlich von der Elchkuh über 300 m lang auf dem Pfad in gebührendem Abstand verfolgt. Es stellt sich die Frage, wer hier wohl gerade wen beobachtet hat. Wir sind ganz außer uns und euphorisch bringen wir so auch die restlichen Kilometer des Tages hinter uns. Die Elche bleiben Tagesgespräch.

Der Wettergott bleibt uns wohlgesonnen. Allein der Padjelantaleden zeigt uns zum Abschluß des heutigen Tages noch einmal die Zähne und wir müssen über und zwischen großen Steinen durchklettern und am Ende noch ein großes Flußdelta durchwaten. Dann ist es geschafft, wir sind durch, unvermittelt taucht die landschaftlich schön gelegene Fjellstation Såmmarlappastugan vor uns auf. Direkt am Tarra gelegen, hat man von hier aus in Richtung Westen einen guten Ausblick auf den Kåtnjunjes, den Vuoksak und das Kartevaremassiv. Zwischen Birken der Kohtenplatz, Wasser aus dem Fluß, der 5,8 °C kalt ist. Die Juschke ist schnell aufgebaut und kochen können wir auf Holz in der Hütte. So sparen wir knappen Spiritus. Sascha und ich unterziehen uns im Tarra einer Ganzkörperwäsche. Eiseskälte, abgestorbene Extremitäten, aber sauber! Danach noch Tschai am Juschkenfeuer, Vorlesen aus tusk´s Fahrtbericht 29, Logbuch schreiben, Schlafen.

Braun,
Die Elchkuh
Knabbert junge Birkenblätter.
Sie fürchtet mich nicht.
Fahrtenglück.

Mittwoch, der 23. 6. 1999
Tarreluoppal. Einsam liegt der See und still zwischen den ihn umgebenden Bergen. Gespeist wird er aus zwei Richtungen: der Riggåivajåkkå kommt aus Nordwesten, von Norden der Vassjajåkkå. Baumlos ist er in dem Talkessel hingebreitet wie ein Handtuch. Rings um ihn sumpfiges Gelände, dann steile Bergflanken. Ohne Sinn für diese Landschaft könnte man sie als eintönig empfinden. Ohne eine Portion Mut sogar für gefährlich. Wir aber fühlen uns trotz der Anstrengungen eigentümlich mit dieser Landschaft verbunden. Auf der einen Seite bewundern wir sie, auf der anderen Seite müssen wir mit ihr kämpfen, ihr unsere Erfolge mühsam abringen. Jetzt, wo wir hier oben im „Hochland" angelangt sind, werden wir uns vom bereits lieb gewordenen, ständigen Begleiter Tarra verabschieden, der hier aus dem Tarreluoppal gebildet wird.

Uns geht es zur Zeit richtig gut! Da der Hüttenwart der hier stehenden Fjellhütte auch nicht anwesend ist, haben wir uns in eine Hütte verzogen. Sechs von uns werden heute in Betten schlafen, wir haben gut gegessen, Tee getrunken und uns ist zum ersten Mal an diesem Tag wieder warm. Während der gesamten heutigen Etappe hatte uns nämlich ein eiskalter, schneidender Nordwind in seinem Griff. Ein Großteil wanderte in Juja und fror trotz des Gepäcks noch.

Am Morgen hatten wir Såmarlappastugan verlassen, die Nacht in der Juschke hatten wir frierend verbracht. Um 3 Uhr am Morgen war es 4 °C kalt. Die Orientierung war problemlos. Immer wieder markante Bergrücken, die den Weg weisen. Auch wegen der Kälte kommen wir gut voran. Den ganzen Tag über ist der Himmel verhangen. Hohe graue Wolken. Berggipfel frei. Zunächst haben wir Sümpfe und Birkenwald vor uns. Zweimal müssen wir auch gut steigen. Nach dem ersten Drittel des Wegs kommen wir nach der Überquerung einer Stahlhängebrücke an die Grenze des Padjelantanationalparks. In dieser kargen Kulisse, vor den im Hintergrund aufragenden, schneefeldbedeckten Bergen des oberen Tarratals machen wir ein Gruppenfoto mit Selbstauslöser. Schnell weiter wegen der Kälte!

In einem recht sumpfigen Stück reicht es uns erst einmal. Wir brauchen eine Pause. Mittagessen in einer halbwegs windgeschützten, kleinen Senke neben rotem Bach. Wir befinden uns auf halber Wegstrecke an den Abhängen des Puokkek. Der Baumbestand wird zunehmend spärlicher, die Birken stehen immer weiter auseinander. Irgendwann hören sie dann ganz auf. Die Landschaft erinnert an Island oder das schottische Hochland. Und dann, nach einer Hügelkuppe, können wir unser Ziel weit voraus sehen. Die Hütten am Tarraluoppal.

Die Jungs sind hart im Nehmen. Ohne Murren gehen sie auf dem beschwerlichen Pfad, ohne Murren ertragen sie die eisige Kälte. Alle wünschen sich zur weit entfernten Hütte. Die letzten Kräfte werden mobilisiert. Ich merke, daß das, was wir hier machen, unsere Großfahrt, hart an der Grenze dessen ist, was wir uns und den Jungs zumuten dürfen. Immer wieder kommen Zweifel auf, ob es die richtige Entscheidung war, hier nach Lappland zu kommen. Meine Hochachtung vor tusk und der Horde wächst. Wie mag ihre Wanderung vor 70 Jahren ausgesehen haben. Ohne Hütten. Dafür mit Lappen. Die Bedingungen für beide Gruppen sind sicher ähnlich. Nicht gleich. Der Respekt gehört allen.

Auch wir stehen nun vor der Entscheidung, welchem Weg wir weiterhin folgen wollen. Dem Padjelanta oder einem namenlosen, von hier in Richtung Nordwesten abzweigendem Pfad mit Fernziel Staloluokta, der Samensommersiedlung am Viri. Lange Diskussionen über für und Wider mit Frédéric bei Kerzenschein. Draußen zieht ein Regenschauer übers Land. Sascha und die Jungs quälen die Klampfe. Eine fette Brühe nach der anderen wird aufgebrüht, Frederik nimmt ein Fußbad. Im Kochtopf. Und geht’s zur Zeit richtig gut!

Der zweite Fahrtabschnitt: Im Hochland zum Herz der Einsamkeit

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